Alte Pfade von Alexa Hennig von Lange
Durch die Wildnis der Herzen - Ein bewegender Vater-Tochter-Roman

INHALT
Als Liliane von ihrem ersten Urlaub nach der Scheidung zurückkommt, erreicht sie ein Anruf aus einem Krankenhaus in Schottland: Ihr 89-jähriger Vater ist allein in die Highlands gereist und hat in der Wildnis einen Herzinfarkt erlitten. Noch in Strandschuhen und T-Shirt fährt Liliane ihm nach, um ihn nach Hause zu holen. Doch ihr geschwächter Vater will nur eines: bis zur nördlichsten Spitze Schottlands laufen, wie damals als junger Student. Liliane sieht keine andere Möglichkeit, als ihn zu begleiten. Gemeinsam brechen Vater und Tochter in die alten Pfade der Highlands auf. Sie übernachten in Feldsteinhütten, werden von Unwettern überrascht und sprechen zum ersten Mal über die dramatische Familiengeschichte – die Kriegskindheit des Vaters in Potsdam, den frühen Tod seiner Frau, Lilianes Mutter. Während der einst so starke Mann sich auf seine Tochter stützen muss, erkennt Liliane, wie sehr die Härte ihres Vaters ihre Beziehungen zu Männern und das Verhältnis zu ihrem Sohn geprägt hat. Der letzte Weg des Vaters wird für seine Tochter zu einem Aufbruch.
Ein atmosphärisch dichter und einfühlsamer Roman über die Neubegegnung zweier Menschen, die sich lange fern waren.
MEINE MEINUNG
In ihrem neuen, bewegenden Roman »Alte Pfade« erzählt Alexa Hennig von Lange eine sehr persönliche Vater-Tochter-Geschichte, die von ihrer eigenen Familiengeschichte inspiriert ist.
Im Mittelpunkt steht die frisch geschiedene Liliane, die eher unfreiwillig mit ihrem 89-jährigen Vater eine anspruchsvolle Wanderung durch die raue Wildniss der schottischen Highlands unternimmt. Ihr Vater war eigenmächtig dorthin aufgebrochen, um nochmals jene Pfade zu begehen, auf denen er als junger Architekturstudent in den Sechzigerjahren Schottland durchwandert hatte. Ein Herzinfarkt hatte ihn jedoch in kritischem Zustand aus der Wildnis in ein schottisches Krankenhaus gebracht. Die umgehend angereiste Tochter möchte ihn von dort nach Hause holen, doch ihr sturer, geschwächter Vater lässt sich keineswegs von seinem Vorhaben abbringen.
Was als gemeinsames, aufreibendes Abenteuer beginnt, entwickelt sich allmählich zu einer tiefgründigen Neubegegnung, die beide noch einmal durch die Wendepunkte ihrer problembehafteten Vergangenheit und tragischen Familiengeschichte führt. Nach und nach wird deutlich, dass der einstmals so starke, unverwüstliche Vater ist immer mehr auf Lilianes Hilfe angewiesen ist und unter der harten Schale seine Verletzlichkeit, seine Zärtlichkeit und die tiefe Liebe für seine Tochter zum Vorschein kommen.
Geschickt fügt die Autorin unterschiedliche Erinnerungsfragmente zu einem berührenden Portrait eines sehr eigenwilligen und doch faszinierenden Menschen voller Unschärfen, Unzulänglichkeiten, Rätsel und Widersprüche zusammen, der durch seine kindlichen Kriegserlebnisse und den frühen Tod seiner Frau geprägt wurde.
In sehr einfühlsam und eindringlich erzählten Episoden erleben wir Lilianes vorsichtige, lang überfällige Annäherung an die facettenreiche Persönlichkeit des Vaters, die ihr so lange Zeit unergründlich erschien. Nach und nach erkennt Liliane, was der Vater ihr im Laufe ihrer Kindheit und Jugend an Werten hat vermitteln wollen, und wie sehr sie sich unbewusst nach den Prinzipien ihres Vaters ausgerichtet hat. Berührend ist es mitzuerleben, wie sich Liliane und ihr Vater auf ihrem Weg durch die herbe Natur Schottlands, aber auch durch die Wildnis ihrer Herzen immer näher kommen und beide schließlich erkennen, dass diese gemeinsame Zeit ein wichtiges Geschenk an sie ist. Ein Geschenk, das zugleich Versöhnung und Abschied bedeutet und das schmerzhafte Bewusstsein schärft, wie viel Zeit sie rückblickend miteinander verpasst haben.
Hervorragend ist es der Autorin gelungen, die herbe Schönheit der Highlands in eindrucksvollen Beschreibungen einzufangen, in deren emotional aufgeladener Atmosphäre sich die innere Zerrissenheit der Figuren, ihre Ängste und Hoffnungen widerspiegeln. Äußerst überzeugend verwebt sie dabei die äußere Reise mit der inneren Entwicklung ihrer Charaktere zu einer stimmungsvollen, feinfühlig erzählten Geschichte über Verlust, Liebe und Neubeginn.
FAZIT
Ein einfühlsamer, berührender Roman über eine späte Vater-Tochter-Begegnung, der tiefe Einblicke in die persönliche Familiengeschichte der Autorin gewährt und zeigt, wie Versöhnung auch im Angesicht von Vergänglichkeit möglich ist. Ein ganz besonderes Leseerlebnis, das zum Nachdenken über die eigenen familiären Prägungen anregt.
BEWERTUNG

Rezensionsexemplar *UNBEZAHLTE WERBUNG*






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