Niemands Töchter von Judith Hoersch
- 15. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 23. Jan.
Verborgene Fäden - Eine bewegende Familiensaga

INHALT
Über das Schweigen, das uns prägt – und die Wahrheit, die uns befreit
Alma ist Niemands Tochter. Sie wächst in den Achtzigerjahren in der Eifel auf, doch das kluge und neugierige Mädchen fühlt sich fremd in seiner Familie. Denn um seine Herkunft wird geschwiegen.Zu einer anderen Zeit, an einem anderen Ort vermisst noch eine Frau ihre Mutter schmerzlich – Isabell, die 2019 in Berlin lebt. Diese Leerstelle hat ihre Vergangenheit geprägt, und beeinflusst noch immer ihre Gegenwart, ihr Fühlen und Denken und ihr eigenes Familienleben.Als sich Almas und Isabells Wege auf schicksalshafte Weise kreuzen, entfaltet sich zwischen Polaroids und verlorenen Träumen eine Geschichte, die die beiden Frauen über Generationen hinweg verbindet.Ihr Leben lang waren Niemands Töchter auf der Suche nach ihrem Platz im Leben, und gemeinsam finden sie ihn, wo sie ihn am wenigsten erwartet haben. Ein berührender Roman über das, was wir verlieren, das, was bleibt – und die Kraft, die man daraus schöpft, das eigene Glück zu suchen.
(Quelle: Piper – Erscheinungstermin: 30.01.2026 - ISBN: 978-3-492-07369-1)
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MEINE MEINUNG
Mit ihrem Debütroman „Niemands Töchter“ ist Judith Hoersch eine bewegende, einfühlsam erzählte Familiengeschichte gelungen, die die Bedeutung von Mutter-Tochter-Beziehungen und Mutterrolle sowie die Suche nach Herkunft und eigener Identität vielschichtig ausleuchtet.
Eindringlich macht sie deutlich, wie zerstörerisch sich verschwiegene Familiengeheimnisse, alte Verletzungen und elterliche Prägungen auf das Leben nachfolgender Generationen auswirken können – und wie bedeutsam es ist, sich wiederkehrenden transgenerationalen Mustern zu stellen, um schließlich Heilung zu ermöglichen. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen vier Frauen – Alma, Isabell, Marie und Gabriele – aus unterschiedlichen Generationen, deren unsichtbar miteinander verflochtene Lebenswege sich erst allmählich enthüllen.
Die Geschichte springt geschickt nicht nur zwischen den Perspektiven der vier Frauen, sondern auch zwischen verschiedenen Zeitebenen und Schauplätzen. So folgen wir einerseits Isabell im turbulenten Berlin des Jahres 2019, deren Beziehungen vom frühen Tod der Mutter überschattet sind, und andererseits Alma in einem abgelegenen Eifeldorf der 1980er-Jahre, die sich früh als Außenseiterin erlebt und mit einer Lebenslüge über ihre Herkunft aufwächst. Parallel dazu treten nach und nach auch ihre Mütter Marie und Gabriele ins Licht, wodurch sich das Geflecht aus Geheimnissen und Verbindungen zunehmend verdichtet.
Aus den verschiedenen Episoden aus Erinnerungsfragmenten, Kindheitserinnerungen, vergangenen Ereignissen und gegenwärtiger Handlung ergeben sich sukzessive immer mehr Hinweise auf die verborgenen Verbindungen zwischen den Biografien von Müttern und Töchtern, bis sich schließlich ein stimmiges Gesamtbild formt. Als zentrales Bindeglied zwischen den Generationen dienen dabei Polaroid-Fotografien, mit denen Marie sowohl alltägliche als auch einzigartige Momente ihres Lebens für die Nachwelt festgehalten hat. Sie fügen nicht nur die verschiedenen Puzzleteile der langsam aufgedeckten Familiengeschichte zusammen, sondern führen auch jene Familienmitglieder zufällig zueinander, die bis dahin nichts voneinander wussten.
In ihrer Geschichte beleuchtet Hoersch facettenreich die familiären Wunden, die durch mütterliches Handeln weitergegeben werden, sowie die Komplexität menschlicher Bindungen.
Die lebendige, äußerst einfühlsame Figurenzeichnung überzeugt auf ganzer Linie. Hoersch gelingt es, ihre faszinierenden Hauptfiguren mit all ihren Brüchen, Verlusten und Neuanfängen so facettenreich und empathisch zu gestalten, dass man sich mühelos in ihre Gefühls- und Gedankenwelt hineinversetzen kann. Ob Gabriele, die als Hüterin eines schwer wiegenden Geheimnisses eine enorme Last trägt, oder Alma, die kompromisslos die Wahrheit über ihre Herkunft ans Licht bringen will – aus den unterschiedlichen Perspektiven ergeben sich aufschlussreiche Einblicke in innere Konflikte, Sehnsüchte und Beweggründe dieser nuanciert ausgearbeiteten Charaktere.
Trotz der schweren Thematik gelingt es Hoersch, ihre eindrucksvolle Geschichte hoffnungsvoll ausklingen zu lassen, indem sie Versöhnung sowie einen möglichen Neuanfang für die zerrissene Familie greifbar werden lässt.
FAZIT
Ein vielversprechendes Debüt voller emotionaler Momente und ein dichtes, bewegendes Familienporträt.
BEWERTUNG







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